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Papierentsäuerung mit dem Memocon BCP-Verfahren

Um unikale schriftliche Überlieferungen dauerhaft zu erhalten, muss das Papier stabilisiert werden. Im Zentrum der Maßnahmen steht die Papierentsäuerung, die den säurebedingten Zerfallsprozess von Papier stoppen und vor weiterer Destabilisierung schützen soll.

Die Papierentsäuerung mit dem Memocon BCP-Verfahren ist für sämtliche Papierqualitäten besonders nachhaltig wirksam, da eine hohe Menge des Reagenz Wasser, wie sie zur Neutralisierung vorhandener Säuren erforderlich ist, im Behandlungsprozess inkludiert ist (ca. 95%) und die Papiere im Behandlungsprozess zugleich mittels Nachleimung stabilisiert werden. Das von Memocon exklusiv verwendete Verfahren leistet jedoch noch viel mehr.

 

Ganzheitlich wirksame Papierkonservierung

Funktionsgrafiken zur Wirkeffizienz der wässrigen Entsäuerung mit Nachleimung im Vergleich sowie zur Bedeutung einer frühzeitigen Entsäuerung für die Stabilisierung. Die Grafiken verdeutlichen die hohe und nachhaltig wirksame Stabilisierung des wässrigen Memocon BCP-Verfahrens, insbesondere auch für Papiere, die bereits deutlich sauer und destabilisiert sind, was für die überwiegende Anzahl der prioritär zu erhaltenden Dokumente zutrifft.

NIPS wird hier definiert als „Niveau potentieller Stabilitätsverlust“, angelehnt an das von Frederici und Rossi 1983 definierte „Niveau potentieller Informationsverlust“ (NIP), das den Verlust an Informationsgehalt für sämtliche Kulturgüter im Laufe der Zeit beschreibt.

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Das Memocon BCP-Verfahren ist der einzige Entsäuerungsprozess, der das Papier nicht nur entsäuert, sondern zugleich verfestigt und nachhaltig vor Papierbruch schützt und somit eine ganzheitliche konservatorische Wirkung hat. Dabei wirkt eine Mischung aus Magnesiumhydrogencarbonaten und Methylcellulose in einer wässrigen Lösung bis tief in das Papier hinein. Das Ergebnis: Vorhandene Säuren werden im Behandlungsprozess effektiv neutralisiert, und die homogene eingebrachte alkalische Reserve gewährleistet eine nachhaltige Langzeitwirkung. Gleichzeitig erhält das Papier eine höhere Flexibilität und wird durch die Zellulose-Leimung signifikant stabilisiert und gefestigt. Regelmäßige Messungen und Laborauswertungen belegen den Langzeiterfolg des Memocon BCP-Verfahrens.

Der Workflow des Memocon BCP-Verfahrens

Das Memocon BCP-Verfahren ist Teil eines ganzheitlichen Behandlungsworkflows mit zahlreichen Mehrwerten. Die Kunden der Memocon profitieren von einer hohen Sicherheit für ihre Dokumente, ergänzt um durchgängige Prozesskontrollen, individuell auf die spezifischen Bedürfnisse der Dokumente abgestimmte Behandlungen und ausführliche Dokumentationen auf Blattebene.

Die Mehrwerte des Memocon BCP-Verfahrens

Das Memocon BCP-Verfahren ermöglicht eine komplette Behandlung in einem Arbeitsprozess und bietet zahlreiche Mehrwerte:

Vorhandene Säuren werden ausschließlich bei einer wässrigen Entsäuerung direkt im Behandlungsprozess vollständig neutralisiert. Nur die unmittelbare und vollständige Neutralisierung vorhandener Säuren kann eine nachhaltige Entsäuerung bewirken, damit die zusätzlich eingebrachten alkalischen Wirkpartikel auch tatsächlich als Reserve gegen die zukünftige Rückversäuerung dienen.

Das Memocon BCP-Verfahren wurde für die besonderen Bedürfnisse von Archivalien mit ihren heterogenen und schlechten Papierqualitäten entwickelt und basiert daher auf dem Lösungsmittel Wasser. Der Prozess beinhaltet die notwendige Menge des Reagenz Wasser von mindestens 95%, die als energetisches Potential zur unmittelbaren Neutralisierung vorhandener Säuren erforderlich ist, eine Größenordnung, die nachgelagerte technische Rekonditionierungen anderer Verfahren nicht leisten kann. Aus diesen Gründen gilt entgegen der „KUR-Untersuchung 2012“ über Blockverfahren, die aus chemisch-technischen Gründen für eine nachhaltige Entsäuerung besonders dicke und stabile Papierqualitäten empfiehlt, diese Einschränkung beim Memocon BCP-Verfahren nicht.

Das Aufquellen der Papierfasern durch die wässrige Tränkung in Verbindung mit der eingebrachten Methylcellulose zur Nachleimung bewirkt eine Stärkung der Faser-zu-Faser-Bindungen. Dadurch sind die Papiere nicht erst auf lange Sicht stabiler als unbehandelte Papiere, sondern verfügen unverzüglich über eine signifikant gesteigerte Bruchkraft und Dehnung. Das Memocon BCP-Verfahren ist daher besonders nachhaltig und bewirkt die gewünschte unmittelbare und dauerhafte Erhöhung der Gebrauchstauglichkeit der Dokumente.

Beim Memocon BCP-Verfahren werden alle Papiere homogen und gleichermaßen wirkungsvoll entsäuert, da keine dispergierenden und/oder suspendierenden Zusatzstoffe zum Einsatz kommen.

An der Oberflächenveredelung von Papieren, der so genannten Leimung, sind besonders viele Säuren und Schadstoffe gebunden. In der wässrigen Wirkstofflösung werden nicht nur Säuren neutralisiert, sondern auch alte Leimungen und Schadstoffe effizient ausgewaschen. Hierdurch ergibt sich ein zusätzlicher Schutz vor einer frühen erneuten Versäuerung. Zugleich leimt die Methylcellulose in der Wirkstofflösung die Papiere neutral nach, was zu einer signifikanten Steigerung von Bruchlast und Dehnung führt.

In die Einzelblattentsäuerung gelangen ausschließlich solche Papiere, die behandlungsfähig und behandlungswürdig sind. Risikobehaftete Dokumente werden zur Handkonservierung selektiert. Neben der modernen restauratorischen Ethik, nach der eine restauratorische und konservatorische Maßnahme nur dann durchgeführt werden sollte, wenn dies unumgänglich und notwendig ist, gebieten zudem Risikoabwägung und Wirtschaftlichkeit eine selektive Behandlung. Auch wenn eine Entsäuerung von nicht entsäuerungsfähigen und/oder entsäuerungswürdigen Papieren diese nicht zwangsläufig beschädigt, ist dennoch das Gefährdungspotential signifikant geringer, wenn ausschließlich behandlungswürdige und -fähige Papiere entsäuert werden und nur hierfür geeignete Papiere einer maschinellen Behandlung unterzogen werden.

Das wässrige Memocon BCP-Verfahren basiert auf den etablierten Prozessen der Papierrestaurierung: dem Wässern von Papieren zur Entsäuerung sowie dem Nachleimen mittels Methylcellulose zur Stabilisierung. Der Prozess ist besonders schonend für die Papiere, da keine dispergierenden und/oder suspendierenden Zusatzstoffe verwendet werden müssen, der Feuchtegehalt der Papiere im Prozess nur geringfügig reduziert wird, und nachgelagerte technische Rekonditionierungen nicht notwendig sind.

Beim Memocon BCP-Verfahren werden keine Zusatzstoffe verwendet, die nicht zugleich Wirkstoffe sind. Auch nach dem Behandlungsprozess fallen keine Zusatz- oder Prozessstoffe aus nachgelagerten chemischen Reaktionen in den Papieren aus.

Durch die Behandlung mit dem Memocon BCP-Verfahren werden Papiere nicht physikalisch destabilisiert, sondern unmittelbar und signifikant in Bruchkraft und Dehnung gestärkt.

Beim Memocon BCP-Verfahren kommen weder Stoffe zum Einsatz, die Gerüche verursachen, noch fallen solche Stoffe durch oder nach der Behandlung in den Papieren aus, insbesondere keine Alkoholate und keine Benzole.

Das Memocon BCP-Verfahren bedarf keiner technisch forcierten Rekonditionierung, da der chemische Prozess direkt mit der Behandlung vollständig abgeschlossen ist. Daher werden die behandelten Papiere auch keinem nachgelagerten Prozessschritt unterzogen.

Das Memocon BCP-Verfahren ist besonders risikoarm. Die kontinuierliche Behandlung von Einzelpapieren unterliegt einer permanenten Kontrolle der Maschinenführer. Das gewährleistet eine Behandlung von ausschließlich behandlungswürdigen und behandlungsfähigen Papieren und ermöglicht im Falle von Unverträglichkeiten einzelner Schreib- oder Druckstoffe eine schnelle Reaktion und Selektion.

Die Memocon Wirkstofflösung enthält eine Fixierlösung zur Sicherung von Schreib- und Druckstoffen. Im Unterschied zur üblichen Anwendung in der Papierrestaurierung ist die Fixierlösung im BCP-Wirkstoffbad signifikant geringer dosiert. Zudem werden die Fixiermedien im maschinellen Trocknungsprozess aufgrund ihres spezifischen Dampfdrucks und der spezifischen Verdunstungstemperatur – im Verhältnis zu Wasser – schnell und vorrangig ausgetragen.

Das Memocon BCP-Verfahren ist ein besonders umweltfreundlicher Prozess. Sämtliche Einsatzstoffe sind nicht toxisch und gefährden weder Mensch noch Umwelt. Die Prozesse und Anlagenkomponenten sind auf eine hohe energetische Effizienz ausgelegt. Der Entsäuerungsprozess ist besonders risikoarm, da keine brennbaren, entzündbaren oder explosiven Stoffe zum Einsatz kommen oder in den Prozess eingebunden sind.

Im wässrigen Behandlungsbad werden vorhandene Deformationen, beispielsweise aus vorangegangener Lagerung in Stehordnern, ohne mechanische Belastungen der Papiere beseitigt.

In den Workflow des Memocon BCP-Verfahrens lassen sich mit geringem Mehraufwand weitere konservatorische, restauratorische und archivische Arbeiten für eine ganzheitliche Bestandserhaltung integrieren.

Eine Digitalisierung zum erweiterten Schutz der Originale und zur ubiquitären Nutzbarkeit der Informationen lässt sich mit geringem Mehraufwand in den Workflow des Memocon BCP-Verfahrens integrieren.

Im Behandlungsprozess des Memocon BCP-Verfahrens ist eine digitale Dokumentation sämtlicher Arbeiten, Einsatzstoffe und Prüfergebnisse pro Dokument inbegriffen. Die Dokumentation erfolgt in Echtzeit, parallel zur Bearbeitung. Somit erhält jeder Kunde auch im technischen Mengenverfahren eine restauratorische Dokumentation über die erfolgten Arbeiten, wie diese ansonsten nur bei hochwertigen Einzelobjekt-Restaurierungen üblich ist.

Prüfung der Wirksamkeit von Massenentsäuerungsverfahren

Die gewünschten chemischen und physikalischen Veränderungen einer Entsäuerung sind optisch nicht erfassbar und zeigen sich oft erst im Zeitverlauf. Deshalb ist eine wiederholte Prüfung der Wirksamkeit von Entsäuerungsverfahren erforderlich.

Prüfung nach DIN 32701

Die Prüfung erfolgt anhand von neuen, holzfreien Testpapieren. Die Norm unterscheidet zwischen Verfahrensvalidierungen und zugehörigen Routinemessungen. Das Memocon BCP-Verfahren erfüllt sämtliche Testkriterien der DIN 32701 im obersten Anforderungsbereich und weist einen besonders hohen Nachhaltigkeitsfaktor von 8,5 aus.

Zusätzliche Prüfung von Bruchkraft und Dehnung

Innerhalb der Routinemessungen der DIN 32701 prüft Memocon zusätzlich die Veränderungen von Bruchkraft und Dehnung. Dadurch wird zudem die hohe Stabilisierung durch die Nachleimung belegt.

Langzeitmessungen am Original und Dokumentation in der Memothek

Um die dauerhafte Wirksamkeit einer Entsäuerung zu bestätigen, sind Langzeitmessungen am Original notwendig. Memocon führt daher pH-Wert-Messreihen mit hoher Stichprobensequenz durch: jeweils vor der Behandlung, direkt nach der Behandlung und alle 5 Jahre beim Kunden vor Ort. Die Messwerte werden in der Memothek  dokumentiert.

Eine ausführliche Beschreibung der Prüfmethoden und Infografiken zu den Messungen finden Sie hier.